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Die Recherche

Da Burtons Bücher von einer profunden Kenntnis der sozialen, kulturellen und religiösen Landschaften der Fremde getragen sind, war es mir von Anfang an ein Bedürfnis, den Roman mit einer möglichst genauen Recherche zu grundieren. Das bedingte eine Reihe von meist aufwendigen Reisen in seinen Fußstapfen, zuerst in Indien, dann durch Tansania und schließlich nach Arabien. Ich lebte, so wie Burton auch, einige Jahre in den westindischen Städten Bombay und Baroda, um mich nicht nur mit den Äußerlichkeiten vertraut zu machen -gestrandeten Quallen, überreife Papayas, gebrutzelte Innereien -, die es zu beschreiben gelten würde, sondern auch um mir eine genaue Kenntnis der hinduistischen Tradition wie auch der Hindi-Sprache zu verschaffen. Ich verbrachte einen Monat in einem Zeltlager von Eremiten am Ganges, lief zu Fuß durch viele Altstädte und bereiste auf einem Kamel die Thar-Wüste im indo-pakistanischen Grenzgebiet.

Die Reise durch Tansania war eine besonders schwierige Aufgabe, da es mir notwendig erschien, die Langsamkeit des damaligen Reisens nachzuempfinden. Also durchwanderte ich - mit möglichst wenig Gepäck - das Land von der Küste am Indischen Ozean bis zum Ufer des Tanganyikasees (eine Entfernung von etwa 1500 Kilometer), möglichst genau entlang der Route der Expedition aus den Jahren 1856-59, was weniger schwierig als erwartet war, denn Burtons Beschreibungen sind meist von naturalistischer Genauigkeit. Weite Strecken dieses Gebietes sind heute noch so "wild" wie damals, teilweise Naturreservate, teilweise kaum besiedelte Öden, teilweise vom Bürgerkrieg in den Nachbarländern mitgenommene Randgebiete. Mein Fußmarsch dauerte zwar nur drei Monate, aber er erlaubte mir, eine Vielzahl von Mühen und Plagen mit dem viktorianischen Vor-Gänger zu teilen. Zudem entdeckte ich - obwohl ich in Ostafrika aufgewachsen bin - das Land aufs Neue, und erlebte Begegnungen, die sich allein der Tatsache verdankten, daß mich die Einheimischen nicht als überlegenen Weißen sondern als hilfsbedürftigen Wanderer betrachteten.

Schließlich bereitete ich mich ein Jahr intensiv auf die Hadj vor, die Pilgerreise nach Mekka und Medina. In Bombay verbrachte ich Tag für Tag Zeit mit einigen jungen, konservativen Rechtsgelehrten, unterrichtete sie in englischer Sprache, wobei sie im Gegenzug mich in den Islam einführten. Ich unternahm die Pilgerfahrt mit einer indischen Reisegruppe im Januar 2003, eine überwältigende spirituelle wie auch körperliche Erfahrung, bei der ich mich - wie schon Richard Burton - manchmal im Ritual auslöste, manchmal völlig außerhalb des Geschehens befand. Die Erfahrung meine Hadj habe ich teilweise schon in der Reportage "Zu den heiligen Quellen des Islam" verarbeitet.